Granitgewinnung am Epprechtstein

Die Granitgewinnung am Epprechtstein zu Bauzwecken reicht bis ins Mittelalter zurück. Das nötige Material lieferten früher die in großer Zahl zutage liegenden Findlinge und anstehenden Felspartien. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts ging man dazu über, Steinbrüche anzulegen. Mit dem Bau der Eisenbahn begann die eigentliche Entwicklung der Granitindustrie des Fichtelgebirges.
Die Bahn selbst hatte einen großen Bedarf an Werksteinen, gleichzeitig schuf sie aber auch die Voraussetzungen für den Transport der Steine über weite Entfernungen. Im Laufe der Zeit entstanden rund um den Epprechtstein 20 Granit-Steinbrüche, unter ihnen der weithin sichtbare, mächtige Schloßbrunnenbruch an der Ostseite des Berges.

1897 beschäftigten die fünf Kirchenlamitzer Steinmetzbetriebe rund 450 Arbeiter. Jeder zweite arbeitsfähige männliche Einwohner von Kirchenlamitz verdiente seinen Lebensunterhalt im Steinbruch oder auf dem Werkplatz.      Steinhauer der Firma Robert Lenk, 1906  Steinhauer der Firma Oppenrieder, 2000.

Nach einer leichten Flaute erlebte die Granitindustrie in der Zeit von 1933-1939 eine erneute Hochkonjunktur. Nach dem 2. Weltkrieg hat sie dann endgültig - weil zu kostenintensiv und durch andere Baustoffe ersetzt - ihre große Bedeutung verloren. Den Weg zum Arbeitsplatz mussten die Steinhauer zu Fuß zurücklegen. Das Mittagessen wurde ihnen von ihren Frauen und Kindern gebracht (den Suppentrogern) und im Kabinett (Aufenthaltsraum) eingenommen. Die Arbeit in den Steinbrüchen war schwer und gefährlich. Unfälle, auch tödliche, beim Sprengen, beim Transport der Steine im Bruch und beim Verladen waren nicht selten. Gefürchtet war die Steinhauerkrankheit, wie die Silikose genannt wurde, die durch den Staub hervorgerufen wurde. Sie führte bei vielen Arbeitern zu frühem Tod. Der Werkstoff Granit prägte auch den ihn bearbeitenden Menschen: Rauh ist die Arbeit' und rauh sind wir, charakterisierten sich die Steinarbeiter selbst. Wenn den Steinhauern auch derbe Charaktereigenschaften nachgesagt wurden, so waren sie doch nicht selten auch zu Witz und Scherz aufgelegt.

Die nicht mehr in Betrieb befindlichen Steinbrüche wurden inzwischen weitgehend von der Natur zurückerobert. Steine bieten Lebensraum für Moose, Flechten und Farne. Kleinsäuger, Flug- und Kriechtiere, wie Fledermäuse, Kreuzottern, Blindschleichen, Eidechsen, verschiedenste Nagetiere und Insekten, nutzen die Steinbrüche und Abraumhalden als Jagd- und Rückzugsgebiete.             

Die Steinbrüche sind als Biotope kartiert und liegen in der Schutzzone des Naturparks Fichtelgebirge. Berühmt ist aber auch der Epprechtstein wegen seines Mineralienreichtums: Feldspat, Quarz und Glimmer sind heute zusammen mit anderen sehr seltenen Mineralien gesuchte Sammlerstücke aus dem Fichtelgebirge.